Joerg Dankert - Back to Berlin --- Digital-Album, Release 18.11.2025
Joerg Dankert - Back to Berlin
Download-Album
Release 28.11.2025
Seit 2021 veröffentlicht Joerg in regelmäßigen Abständen seine Musik und zeigt eine kontinuierliche und interessante Weiterentwicklung. Hat er sich auf seinen letzten Veröffentlichungen eher dem Genre Ambient gewidmet, so geht die Reise nun wieder in Richtung Berliner Schule, worauf sich offensichtlich auch der Titel des nun neu vorliegenden Albums „Back to Berlin“ bezieht. Wer nun denkt, es wäre damit so einfach getan, täuscht sich. So berechenbar ist Joerg Dankert nicht und das ist gut so.
Der Titel des Albums bezieht sich nämlich nicht nur musikalisch auf Berlin, sondern auch inhaltlich. Genauer gesagt auf Joergs persönliche Erinnerungen zum Berlin der 70er und 80er Jahre. Werfen wir einen Blick, oder besser gesagt unsere Ohren auf die einzelnen Stücke.
1. Echoes from the wall:
Verhallte, geräuschhafte und unheimliche Ambient Sounds eröffnen das Album und schaffen einen nahtlosen Anschluss an Joerg´s vorherige Werke. Die dunklen Chor Sounds erinnern mich an das hervorragende Morpheus Album von Delierium und wissen mir daher auf Anhieb zu gefallen. Man weiß an diesem Punkt noch nicht genau wo man ist und wohin die Reise geht. Nach einiger Zeit treten weite Flächen und Sequenzen hervor, die in Richtung Berlin weisen. Bald begrüßt uns ein Vangelis ähnlicher Synthesizer Bläser. Ich sehe Hochhäuser, Neonlichter und im Regen glänzende Fassaden der Großstadt; wir sind in Berlin angekommen.
2. Iron curtain haze:
Das Berlin der 70er und 80er Jahre ist natürlich nicht denkbar ohne den Eisernen Vorhang. Darauf bezieht sich offensichtlich dieses Stück, bei dem eine etwas erratische Sequenz Unsicherheit symbolisiert, während undurchsichtige Ambient Flächen wie graue Nebelschwaden schwer auf dem Geschehen liegen und die Frage nach dem weiteren Weg aufwerfen. Die nebeligen Flächen werden lauter und dichter und steigern das bedrückende Gefühl. Man muss nicht erst an einem nebeligen Novembertag an der ehemaligen innerdeutschen Grenze gestanden haben, um zu konstatieren, das Joerg Dankert die Atmosphäre hier musikalisch hervorragend eingefangen hat.
3. Back to Berlin:
Eine gesampelte Bahnhofsatmosphäre vom Bahnhof Alexanderplatz startet dieses Stück. Eine groovige Sequenz und moogige Solos lassen auch musikalisch keinen Zweifel daran, wo wir uns befinden. Die Filter Percussion erinnert an Klaus Schulze´s Picture Music und die Dreieck Oszillator Sequenzen an Tangerine Dream´s Exit. Joerg Dankert hat seine Vorbilder gut gehört und weiß Zitate von diesen gekonnt, aber nicht übertrieben einzusetzen. Es soll hier nach Berlin gehen und man hört, dass wir dort sind; sehr schön.
4. Stasi surveillance:
Ein tiefer, pulsierender Bass in Kombination mit dezenten Bitcrusher Sounds führt nun wieder auf die weniger unbeschwerte Seite des damaligen Berlin. Die Solo Melodie mit einem Vermona Orgel ähnlichen Sound weiß offensichtlich noch nicht so recht wo sie hin will und deutet Spannung an. Die lauter werdenden Bitcrusher Sounds, dumpfe Drums, eine tickende Percussion, sowie verschiedene Melodien stellen eher Fragen als sie zu beantworten. Es herrschen Spannung und undurchsichtige Überwachung.
5. Kudamm rhythm:
Der Nebel verzieht sich und ein treibender, kraftvoller Beat und poppige Sequenzen führen uns ins belebte Herz des damaligen Berlin, auf den Kurfürstendamm. Der Synthesizer Bläser begrüßt uns erneut, klingt nun aber verspielter und erinnert mit seinen Glide Effekten mehr an Klaus Schulze Solos als zuvor. Was wir hören kann man als gelungene Synthese aus Berliner Schule und Pop bezeichnen. Sehr schön und wieder eine musikalisch sehr passend inszenierte Szene auf diesem Album. Die breiten Dur Akkorde am Ende signalisieren, dass die Reise noch weiter zu anderen Zielen gehen wird.
6. Transitroute survival:
Das Stück beginnt mit einem Rhythmus aus Noise Percussion, der seltsam stolpert. Kanonen ähnliche Schläge kommen bald hinzu. Wird hier etwa geschossen? Ein sehr tiefer Bass, ähnlich dem Moog Taurus tritt hinzu und beschreibt eindeutig eine angespannte, bedrohliche Szenerie. Wie gut das bald helle Sequenzen hinzu kommen und das Szenario wieder auflockern. Aber Moment mal, irgendwie kenne ich diese Stimmung doch! Das klingt irgendwie und sicher nicht unabsichtlich nach „Die Fahrbahn ist ein graues Band….“. Passt ja auch zum Fahren über die Transitstrecke. Wer aber denkt, das Stück würde sich in eine Autobahn Kopie entwickeln, täuscht sich. Kurz vor der Mitte nimmt das Stück eine überraschende Wendung und… bleibt musikalisch im schönsten Teil von Berlin.
7. Checkpoint velocity:
Tiefe, moogige Bässe starten dieses Stück und spiegeln die Spannung am Checkpoint wieder. Im folgenden entwickelt sich langsam aber stetig ein sehr gelungenes Berliner Schule Stück mit allen für diese Richtung typischen Elementen. Weite Flächen, breite Chords, Sequenzen, schöne Solos, Effektsounds, es ist alles da was Liebhaber dieses Genre mögen. Bei langen Musikstücken braucht es einen guten Spannungsbogen; auch den beherrscht Joerg Dankert hier.
8. 3I Atlas:
Der Bonustrack verlässt das Thema Berlin und widmet sich dem interstellaren Besucher, der derzeit unser Sonnensystem durchquert. Die Sprachsamples im Stück beziehen sich auf die kontroverse Frage, ob 3I Atlas einfach nur ein Gesteins- und Eisbrocken aus einem anderen Sternsystem ist, oder ein künstlicher von einer fremden Intelligenz geschaffener Besucher. Diese Frage hat sich inzwischen wohl beantwortet, aber es ist ein schönes Musikstück daraus geworden bei dem Joerg wieder eindeutig in Richtung Ambient geht; ich könnte es auch Planetariumsmusik nennen und das ist positiv gemeint. 3I Atlas ist ein schöner ruhiger Ausklang dieses abwechslungsreichen Albums.
Fazit:
Back to Berlin hat mir sehr gut gefallen, weshalb ich auch der Meinung bin, dass es diese ausführliche Rezension verdient. Es ist aber ein Album zum aktiven Zuhören. Seine wahre Qualität habe ich erst entdeckt, als ich bewusst und genau hingehört habe. Lässt man es nebenbei laufen besteht die Gefahr das es an einem vorbeizieht, ohne das man die Feinheiten und interessanten Momente wirklich wahr genommen hat. Joerg Dankert erfindet das Genre EM/Berliner Schule hier nicht neu und hat wohl auch nicht diese Absicht gehabt. Er beglückt die Freunde dieser Musik mit einem sehr guten, soliden und abwechslungsreichen Konzeptalbum, dass sich bei aufmerksamen Hören erschließt. Weiter so Joerg.
Matt Stock, 13.01.2026
Erschienen auf Joergs Bandcampseite unter folgendem Link:
https://joerg-dankert.bandcamp.com/album/back-to-berlin
Projektvorstellung Joerg Dankert im EM-Podium:
https://em-podium.../projekt_joerg_dankert