Hippiesland

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Das Interview mit SYNESTEM führte Harald G. aus dem Hippiesland am 12.07.17


   

Harald G.: SYNESTEM, das ist Gerald Wirtz, ein Elektronik-Musiker, den ich heute ganz herzlich in unserer Redaktion begrüßen möchte. Zunächst einmal danke, dass Du Dir die Zeit für ein Interview genommen hast, und ich möchte Dich erst einmal bitten, Dich unseren Lesern kurz vorzustellen…

Gerald: Ich bedanke mich und nehme einige der häufigsten Fragen und Antworten vorweg. Der Name SYNESTEM leitet sich ganz pragmatisch aus Synästhesie und System ab. Für mich sehr wichtig zu erwähnen ist, dass ich Synästhetiker bin und dass dieser Umstand meine Sicht auf den Klang entsprechend bestimmt. Wer Interesse zu dem Thema Synästhesie hat, findet viele Informationen im Internet.
Zu meiner Person möchte ich nicht viele Worte machen, außer dass ich zur dritten Generation der Elektronik-Musiker gehöre und seit 1995 intensiver elektronische Musik mache. Anfänglich habe ich in dieser Zeit auch Live gespielt. Seit 2012 erst gibt es offiziell aber SYNESTEM mit der ersten „From Spaceports“. Denn Dank des Internets konnte ich viel mehr Leute erreichen, als es vor 15 Jahren der Fall war… erst Bandcamp, Soundcloud und natürlich YouTube bieten mir da die richtigen Portale weltweit die Hörer zu erreichen, die wirklich Interesse haben. Wenn man keine Chartmusik macht, dann geht es erst mal um die Kunst und um die Freiheit, genau das zu machen, was einen künstlerisch bewegt. Ein positives Feedback ist da natürlich auch sehr motivierend.
Nach der Jahrtausendwende suchte ich den Kontakt zu Michael Weisser vom IC-Label, welches von Klaus Schulze gegründet wurde. Weisser fand meine Demo vielversprechend, und fast wäre es zu einem Vertrag gekommen, wenn Michael Weisser nicht die Rechte am Verlag verkauft hätte. Zu dieser Zeit zeichnete sich schon ein negativer Trend für elektronische Musik ab. Genauso verschwand auch der Erdenklang Musikverlag. Somit war der Weg als Freelancer vorgegeben. Anfangs war ich etwas desillusioniert, was den Musikmarkt anging, denn da geht es um einen Markt und nicht um Kunst. Bei mir ist die Kunst aber der Selbstzweck und keine Marktprostitution. Das macht aber dann Authentizität aus, wenn man unbestechlich bleibt.

Harald G: Seit wann bist Du musikalisch kreativ, wie hat alles begonnen und wie bist Du auf die Schiene der elektronischen Musik gekommen? Gibt es Idole, die Dich bei Deiner Arbeit inspiriert haben?

Gerald: Der erste Kassettenrekorder und ein Weltempfänger in meiner Vorschulzeit in den 70ern, also als Kleinkind fing ich an mich für Klangmanipulationen jeglicher Art spielerisch zu beschäftigen. Aber der erste Kontakt zur elektronischen Musik war natürlich durch das Radio… in den 70ern waren Kraftwerk, Jean Michel Jarre, Vangelis durchaus auch im Mainstream - sogar in den Chartlisten vertreten. Das Interesse für elektronische Musik wurde letztendlich durch das Tomita Album „Pictures at an exhibition“ geweckt. Somit auch der Wunsch, irgendwann etwas Eigenes zu machen. Als ich damals die Oxygene hörte, war ich mehr als beeindruckt. Das hatte (hörbar) Einfluss. Ich selbst mag gephaserte Strings und auch die Minipops von Korg, was ja Attribute von Jean Michel Jarres Frühwerken sind. Und eingefleischte Jarre-Fans zürnen über diese Anmaßung… spürbar… Aber Jarre hat ja nicht das Klangmonopol bestimmter Klangerzeuger.

Harald G: Elektronische Musik ist ein weit gefächertes Spektrum. Wie würdest Du von ihrer Klangcharakteristik bzw. vom (Sub)-Genre her Deine Werke selber zutreffend bezeichnen?

Gerald: Klanglich Retro oder Vintage... der etwas subjektive Ausdruck „50er - 60er SciFi“... für mich ist das schwerer beantwortbar, aber ein Hörer schrieb mal, es würde zu den Romanen von Heinlein passen…
Der musikalische Stil reicht von Ambient, Pop, Klassik bis zum Jazz mit elektronischen Klangerzeugern. Die verschiedenen Stile sind ja auch nicht unvereinbar.

Harald G: Erlaube uns doch einmal einen kurzen Einblick in Dein Equipment. Ich kann mir gut vorstellen, dass Du Dich nach alter Tradition schwerpunktmäßig der bewährten analogen Technik bedienst?

Gerald: Ich benutze viele Klangerzeuger verschiedener Zeitalter. Bin aber kein typischer „Gearjunkie“, der Instrumente sammelt um sie abzustauben und zu fotografieren. Gerne und immer wieder verwende ich einen Jupiter4 von Roland, der noch nicht mit Midi ausgestattet ist. Dann hört man einen Crumar Bitone bei der Spaceports Serie recht häufig... ein zäher kleiner Blechkasten mit einer schwierigen Programmierung. Eine alte WersiOrgel, Kawai, Korg und Quasimidi Technox sind so Vertreter der nächsten 90er-Generation mit FM- und additiver Synthese, Wavetable via Midi gesteuert. Dann sind da noch Ensoniq, Yamaha und Mikrofone. Danach gibt es nun auch virtuelle Synthesizer der neusten Generation... ein Beispiel ist der Arturia Moog, ein feines Stück Software... Oder ich verwende auch einen 303 Clone in Ermangelung eines echten Gerätes, da das Preis/Leistungsverhältnis bei den echten Geräten nicht mehr stimmt. Etwas traditioneller bin ich beim Midi Sequenzer. Im Studio steuert ein 486er mit einem DOS-Programm die Midimatrix getreu dem Motto: „never change a running system“.

Harald G: Mit wie vielen Tonspuren arbeitest Du in der Regel und welche Werkzeuge verwendest Du für die Nachbearbeitung bzw. für das Mastering?

Gerald: Das Mastering erfolgt mit einem zweiten Rechner (früher auch HD-recording genannt), und die Anzahl der verwendeten Spuren ist sehr unterschiedlich - da gibt’s keine Regel. Es klingt manchmal einfach mit hoher Spurenzahl oder umgekehrt sehr komplex nur mit einer Stereospur…

Harald G: Bist Du grundsätzlich als Solist tätig oder hast Du schon einmal mit anderen Künstlern zusammengearbeitet?

Gerald: Es gibt ein Zusammenspiel mit Klangbruch (Arne Suhn). Dabei sind zwei Alben entstanden. „From Beyond“ und „Sic Transit Gloria Mundi“.

Harald G: Natürlich ist es für unsere Leser interessant zu wissen, wo man sich Deine Werke anhören und bei Gefallen auch bekommen kann. Welche Alben sind bis jetzt von Dir erschienen und wo kann man sie käuflich erwerben, egal ob im digitalen Download oder auf physischem Tonträger? 

Gerald: Im Web umfangreich bei https://synestem.bandcamp.com/music zu finden.

Harald G: Was mich immer wieder fasziniert, sind die künstlerisch sehr anspruchsvoll gestalteten Cover zu Deinen Alben. Entwickelst Du diese Artworks selbst, und was möchtest Du damit zum Ausdruck bringen?  

Gerald: Danke, für das Lob. Also, zum einen als Grafiker musste ich das selber gestalten, und zum anderen verbinde ich mit der Musik immer Bilder und Situationen, die unbedingt visualisiert werden sollten. Bei den verschiedenen Covern der From Spaceports Serie habe ich schon viel Zeit und Mühe investiert. Ich wollte da gerne mit dem Cover den Inhalt zum Ausdruck bringen. Das „From Spaceports 1“ Album wurde auch mal zwischenzeitlich modifiziert. 

Harald G: Wo im Internet kann man sich sonst noch etwas von Dir anhören oder etwas über Dich nachlesen? In Deinen Eingangsworten hattest Du ja bereits YouTube erwähnt…

Gerald: Ja - relativ leicht zu finden… Aber es kursiert so schon eine Menge im Netz.
https://www.youtube.com/user/Synestem

Harald G: Gibt es Magazine bzw. Blog-Seiten, die schon mal Rezensionen zu Deinen Alben veröffentlicht haben? 

Gerald: Ja, die gibt es. Hier eine kleine Auswahl. Die meisten befassen sich mit der From Spaceports, obwohl ich mir das nicht erklären kann. Das spiegelt auch das Käuferverhalten wieder…

http://www.sequenzerwelten.de/synestem_main.html   
http://www.buenasideas.de/2016/synestem...durch-die-galaxien
   
http://www.empulsiv.de/cdreviews/377-synestem-from-spaceports 
http://www.sonicimmersion.org/review.php?letter=S&review=73512   
http://blog.funkygog.de/synestem-from-spaceports-13/   
http://www.blackmagazin.com/?p=18932

Harald G: Beschränkst Du Dich ausschließlich auf die Studioarbeit oder kann man Dich auch schon mal Live auf der Bühne erleben?

Gerald: Zurzeit nicht. Der Wunsch ist da, aber die Rahmenbedingungen waren bisher noch nicht gegeben.

Harald G: Ich weiß, dass Deine Musik auch bei einigen Internet-Radiosendern sehr beliebt ist. Welche wären das zum Beispiel, und wird Deine Musik auch schon mal über lokale oder überregionale Rundfunksender ausgestrahlt?

Gerald: Darüber weiß ich nichts Genaues. SYNESTEM wurde schon häufiger auf UKW im nächtlichen Kulturprogramm im Schleswig Holsteinischen Westküste FM und einigen anderen Sendern mit kleinen Beiträgen von knapp vier Minuten zu nächtlicher Stunde ohne große Zuhörerquoten gespielt. Häufig wurde die Musik im Webradio gespielt bei speziellen Sendern, die schwerpunktmäßig elektronische Musik bringen.

Harald G: Wie sehen Deine weiteren Pläne aus, denn ich denke mal, dass wir auch in Zukunft noch viel von Dir hören werden?

Gerald: Ich gehöre nicht zu den Musikern, die (trotz der 8 Alben) am Fließband Musik veröffentlichen, aber es gibt schon neues Material und viele Ideen. 

Harald G: Im Namen unserer Leserschaft und im Namen unserer Redaktion bedanke ich mich ganz herzlich dafür, dass Du ihnen einen informativen Einblick in Dein musikalisches Schaffen gegeben hast. Und natürlich sind wir gerne bereit, unsere Leser über deine zukünftigen Aktivitäten auf dem Laufenden zu halten. Wie an dieser Stelle üblich mögen die Schlussworte Dir gehören. Gibt es noch etwas, was Du uns mit auf den Weg geben möchtest?  

Gerald: Ich habe zu danken. Wer Kontakt aufnehmen möchte, weitere Informationen, einen künstlerisch kreativen und kulturellen Austausch möchte, der ist bei mir herzlich willkommen. Ich beantworte „fast“ jede Mail oder Nachricht bei Facebook: https://www.facebook.com/Synestem/