Hippiesland

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Das Interview mit Sequentia Legenda führte Harald G. aus dem Hippiesland am 20.04.17


   

Harald G.: Sequentia Legenda, das ist Laurent aus Frankreich, ein wahrer Meister der elektronischen Musik. Am 09.02.2017 hat er bereits in unserer Rubrik Band- und Projektvorstellungen etwas über sich berichtet, und was wäre naheliegender, als ihn zu einem ausführlichen Interview zu uns einzuladen. Und so freuen wir uns, ihn heute in unserer Interview-Ecke begrüßen zu dürfen.
Laurent, Deine elektronischen Werke sind unverkennbar der „Berliner Schule“ der 70er Jahre zuzuordnen. Seit wann bist Du auf diesem Sachgebiet musikalisch kreativ, von welchen Idolen aus den 70ern hast Du Dich inspirieren lassen und wie kamst Du ursprünglich auf diese Schiene, die Dir heute so viel Anerkennung zu Gute kommen lässt?

Laurent: Tatsächlich, meine Musik ist aus der Tradition der musikalischen Bewegung der „Berliner Schule“ hervorgegangen und ganz speziell aus der Periode der 70er und 80er Jahre. Meine Leidenschaft für diesen Stil begann 1980, als ich 16 Jahre alt war. Es war als ich die Plattensammlung meiner Eltern erkundet habe, dass ich auf ein Cover gestoßen bin, das mir durch seine minimalistische Darstellung und durch diese Hülle mit einem blau-grünen Gesicht in die Augen gestochen ist. Das war das Album Mirage von Klaus Schulze. Seit ich den Saphir auf die Rillen dieser Platte gesetzt habe war es für mich Liebe auf den ersten Blick. Ich habe mich daran gemacht, ohne Unterbrechung die Seiten A und B zu hören. Man kann also sagen, dass für mich durch dieses Hörerlebnis alles angefangen hat. Ich habe mich über das informiert, was es wirklich mit diesem seltsamen Instrument mit dem Namen „Synthesizer“ auf sich hat. In dieser Zeit waren Absonderlichkeiten über den Synthesizer im Umlauf, zum Beispiel: Er ist eine Art Filter, den man vor die Lautsprecher platziert, es ist eine aufgepeppte Orgel, es genügt einen Knopf zu drücken und alles geht automatisch usw. Es war in einem Hinterzimmer eines Ladens in meiner Stadt, als ich den berühmten Minimoog entdeckte. Ich begann mit der substraktiven Synthese - und wenig später kaufte ich meinen ersten Mono-Synthesizer.

Erst vor ein paar Jahren habe ich endlich den Schritt gewagt, der Öffentlichkeit meine Arbeit mit dem Album BLUE DREAM (erschienen am 27. Dezember 2014) zu zeigen. Ich wollte diese musikalische Periode verewigen und die Berlin School durch die Verwendung von Sequenzern, Synthesizern und aktuelle Hilfsmittel auf heute übertragen. Ich habe tiefen Respekt vor der Arbeit, die durch Klaus Schulze und Edgar Froese in den 70er Jahren geleistet worden ist. In meinen Augen war das ein Wendepunkt und extrem reich an Kreativität.

Harald G.: Gib uns doch mal einen kurzen Einblick in Dein Equipemt. Ich kann mir gut vorstellen, dass Du Dich nach alter Tradition schwerpunktmäßig der bewährten analogen Technik bedienst?

Laurent: Erlaube mir zuerst, Dir meine musikalische Vision näherzubringen. Es ist für mich wichtig, die Musik zu machen, die ich liebe, die aus meinem Herzen kommt und die schließlich meinen Hörern einen Teil von mir bietet. Es ist von großer Sensibilität, wie ich die Klänge meißle und von Strenge und Leidenschaft, wie ich meinen Klangteppich webe. Obwohl ich zum jetzigen Zeitpunkt ausschließlich virtuelle Synthis verwende, ist es für mich wesentlich, eine echte Atmosphäre mit einem möglichst spezifisch analogen Kern zu erhalten.

In Bezug auf mein Material habe ich drei Etappen erlebt:

Die erste, als ich zwischen 16 und 22 Jahre alt war, in der ich ein Arsenal an Analogmaschinen besaß: PS3200 Korg, ARP Odyssey, Polymoog, Oberheim Two Voices, MS 20 und SQ10 Korg, Vocoder Roland, Echoeffekt RE201 Roland, Crumar Multiman S... um nur die wichtigsten zu nennen.

Dann kam die MIDI-Aera. Ich habe mich von meinen Instrumenten zugunsten von digitalen Synthis getrennt: DSS1 Korg, JD 800 und D110 Roland, TG77 Yamaha, Microwave Waldorf, K1M Kawai unter anderem, das Ganze gesteuert von einem Atari STF, ausgerüstet mit meiner ersten Software für Computermusik, und zwar der Pro24 von Steinberg.

Und schließlich besteht mein Equipment heute aus zahlreichen VST’s, der Arturia-Sammlung zum Beispiel und Cubase als Computermusik-Werkzeug.

Harald G.: Wie Du selbst beschreibst, entstehen die Kompositionen von Sequentia Legenda durch eine Kombination von atmosphärischen Pads und melodischen Linien von Synthesizern. Beim Anhören Deiner Werke meine ich, in ihnen eine ganz klare Struktur zu entdecken, bestimmte Akkorde, die Du im Wechselspiel in einen harmonischen Einklang bringst, sich wiederholende, aber immer wieder modifizierte Klangstrukturen... Ich persönlich halte die Einhaltung eines bestimmten Fequenzganges für sehr wichtig, wobei ich dem Kammerton A auf 432 Hz im Vergleich zu dem auf 440 Hz abgestimmten ganz eindeutig den Vorzug gebe...

Laurent: Ich lege großen Wert auf die Frequenzen, Harmonien, auf die Osmose der Klänge, auf den letzten Schliff. Ich bin eine anspruchsvolle Person, ich versuche ein Resultat zu erreichen, das meinen Erwartungen entspricht, manchmal kann das sehr perfektionistisch sein. Als Beispiel, um das Stück FLY OVER ME fertigzustellen, habe ich ganze 16 Monate gebraucht. Mein Klangteppich ist in ständiger Bewegung, die Sequenzen vermischen sich, werden komplexer, auch die Pads und Chöre selber „leben“ und wachsen mit der Dauer der Komposition.

Harald G.: Mit wie vielen Tonspuren arbeitest Du im Durchschnitt, und würdest Du mir beipflichten, wenn ich sage, dass ein sorgfältges und feinfühliges Mastering das A und O eines jeden musikalischen Werkes darstellt? Welche Mittel verwendest Du für die Nachbearbeitung bzw. Endbearbeitung Deiner Kompositionen?

Laurent: In der Regel arbeite ich mit einer variablen Anzahl an Spuren, das kann je nach Projekt bis zu 16 gehen.

Als Antwort auf deine Frage in Bezug auf das Mastern würde ich sagen, dass ich zum Teil mit Dir einer Meinung bin. Das Mastern ist eine wichtige Sache, aber für mich verläuft diese Phase Hand in Hand mit dem gesamten Schöpfungsprozess. Natürlich ist das eine abschließende Arbeit, doch die Arbeit vorab bleibt übergeordnet. Das Mastern ermöglicht gewisse Elemente auf deutlichere Weise hervorzuheben, eine Patina, die all die Feinheiten in der harmonischen Struktur ins Licht stellt. Für diese Phase benutze ich ausschliesslich Ozone.

Harald G.: Aber bevor wir jetzt noch weiter ins Detail gehen, was für den einen oder anderen Leser vielleicht nicht so relevant sein dürfte, erzähle uns doch mal, welche Werke Du bereits veröffentlicht hast und wo man sie käuflich erwerben kann, egal ob im digitalen Download oder auf physischem Tonträger...

Laurent: 3 Alben (BLUE DREAM, AMIRA und EXTENDED) sind direkt auf meiner Bandcamp-Seite zum Kauf erhältlich (Digitale Version und CDR). Die physische Ausführung ist nur auf Verkaufsseiten wie Patch Work Music in Frankreich, sphericmusic und cue-records in Deutschland, generator in Polen, GROOVE Unlimited in den Niederlanden und Diskpol in Spanien erhältlich. Weiter sind auch 2 „exclusive“ Versionen in der Cloud auf meiner eben erwähnten Bandcamp-Seite erhältlich.

Harald G.: Wo kann man sich darüber hinaus im Internet noch etwas von Dir anhören oder etwas über Dich nachlesen?

Laurent: Auf meinem YouTube-Kanal befinden sich musikalische Auszüge und Interviews in Form von Videoclips, welche den Hörern zur Verfügung stehen. Es gibt auch meinen Blog, der vor oft unveröffentlichten Artikeln überquillt. Im Internet und insbesondere auf meiner offiziellen Seite kann man verschiedene Kolumnen und Interviews entdecken und lesen, ich denke zum Beispiel an Artikel von Sylvain Lupari (auf Französisch und Englisch), Jürgen Meurer (betreutesproggen.de), Richard Gürtler (Ello), Jim Cornall (DPRP) und an den verstorbenen Philippe Vallin (Clair & Obscur), der uns vorzeitig verlassen hat und der mir sehr fehlt.

Das ist keine vollständige Liste, ich würde gerne hinzufügen, dass auf der französischen Seite von Patch Work Music, die meine physischen Alben vertreibt, auch Informationen bezüglich meinen musikalischen Projekten und denen von anderen talentierten Musikern aufgeführt sind. Ich nehme die Gelegenheit hier wahr, um mich beim ganzen Team von Patch Work Music für ihre Unterstützung und ihre Hingabe zu bedanken.

Harald G.: Hast Du schon einmal gemeinsam mit anderen Künstlern an Projekten gearbeitet?

Laurent: Meine erste Zusammenarbeit war mit dem Schlagzeuger Tommy Betzler, der anschließend und mit Begeisterung eingewilligt hat, sich dem Projekt „EXTENDED“ anzuschließen. Tommy, der viel Erfahrung mit der Berliner Schule hat und der den ikonischen Klaus Schulze während seinen Tourneen in den 80ern begleitet hat, erwies mir die große Ehre bei dieser ersten Zusammenarbeit. Zur Information, Tommy wird neuerlich für mein nächstes Werk „ETHEREAL“, ein Album, dessen Erscheinen für Mitte 2017 vorgesehen ist, an meiner Seite sein.

Vor kurzem war es der französische Künstler Kurtz Minfields, der mich für eine Zusammenarbeit eines Bonustracks angefragt hat, der auf seinem nächsten Vinyl auftauchen wird. Ich habe „Out of the Silence“ in einer mir wenig gewohnten Zeitspanne komponiert, da die technischen Zwänge und die bereits eingespielten Spuren mir weniger als 10 Minuten Zeit für den Titel ließen. Nach meinem ersten Abmischen hat Kurtz (Jean-Luc Briançon) dann auf äußerst feine Weise Effekte und Solos hinzugefügt. Unsere zwei musikalischen Universen, er mit seinen analogen Instrumenten und ich mit meinen virtuellen Synthis, haben sich symbiotisch vereint, um einen Titel in der reinsten Tradition der Sphärenmusik zu bieten. Ich darf Dich sowie alle Leser dazu einladen, den endgültigen Mix hier anzuhören.

Schließlich ist Ende dieses Jahrs eine Zusammenarbeit mit dem Kanadier Kutaana Serenity geplant. Auch das wird eine tolle Erfahrung werden. Mit Ron sind es jetzt zwei Jahre, dass wir von diesem Projekt sprechen.

2017: Ein arbeitsreiches Jahr

Harald G.: Beschränkst Du Dich rein auf die Studioarbeit oder lieferst Du auch schon mal Live-Events?

Laurent: Im Moment widme ich mich uneingeschränkt der Studioarbeit. Allerdings muss ich zugeben, dass die Anfragen für Bühnenauftritte immer ein wenig häufiger und detaillierter gestellt worden sind. Schließlich wird es anlässlich eines Festivals (Winnies Schwingungenparty 2017) in Deutschland in Hamm sein, dass ich Anfang Juli das allererste Mal auf der Bühne agieren werde.

Tommy Betzler wird mir die große Freude machen, sich mir bei diesem ersten Auftritt  anzuschließen. Ich werde mir ein Konzept überlegen, in dem Maß, wie mein Setup minimalistisch analog meiner sonstigen Musik ist. Es ist sehr aufregend, sein Publikum zu treffen!

Ein zu verfolgendes Projekt...

Harald G.: Ich weiß, dass Deine Musik auch bei einigen Internet-Radiosendern sehr beliebt ist. Welche wären das zum Beispiel, und wird Deine Musik auch schon mal über lokale oder überregionale Rundfunksender ausgestrahlt?

Laurent: Ich habe die Unterstützung von verschiedenen Radios gehabt, um nur einige davon zu nennen: Modul303, Radio Sunrise, West Star Radio, Sequences Electronic Music Podcasts, Sine FM.

Lokal ist natürlich Frankreich für mich, aber auch die Schweiz und Deutschland, in Anbetracht dessen, dass ich in Ostfrankreich wohne.

Für Frankreich also ist es das Mülhausener Radio MNE mit dem Mittelsmann Guy de Villa und seiner Sendung „Le Bunker“, der mir 2 Stunden Programm mit einer „Carte Blanche Sequentia Legenda“ angeboten hat (http://bit.ly/2pDAUsa).

Für Deutschland ist es das RSD-Radio mit dem Mittelsmann der Sendung „New Age“, moderiert von Rainer Tyson Schramke, der mir ermöglicht hat, live ein Interview auf Deutsch zu führen (http://bit.ly/2oCm1Zu).

Und schließlich in der Schweiz habe ich das Privileg in mehreren Sendungen von „La Planète Bleue“ auftauchen zu können, einer auf den Schweizer Wellen von Couleur3 verbreiteten Sendung von Yves Blanc. Yves Blanc hat mir außerdem den Gefallen getan, „EXTENDED“ als Vorpremiere vorzustellen (http://bit.ly/2oCywUG).

Harald G.: Im Namen unserer Leseschaft und im Namen unserer Redaktion bedanke ich mich ganz herzlich dafür, dass Du ihnen einen so facettenreichen Einblick in Dein musikalisches Schaffen gegeben hast. Und natürlich sind wir gerne bereit, unsere Leser über deine zukünftigen Aktivitäten auf dem Laufenden zu halten. Wie an dieser Stelle üblich mögen die Schlussworte Dir gehören. Gibt es noch etwas, was Du uns mit auf den Weg geben möchtest?    

Laurent: Das war eine große Freude für mich, meine musikalische Vision, meine Leidenschaft und meine Gefühle durch dieses Interview zu teilen, danke an Dich Harald, danke an das gesamte Team vom Hippiesland, ich wünsche den Lesern und Hörern viel Vergnügen.

15823130_laurentschieber.jpgAbschließend möchte ich ankündigen, dass mein nächstes Werk Mitte dieses Jahres erhältlich sein wird, es handelt sich um  „ETHEREAL“. Dieses Album wird auf dem modularen Moog beruhen, mit drei Titeln in der reinsten Tradition der Berliner Schule. Zwei Auszüge sind schon jetzt auf meinem YouTube-Kanal erhältlich: http://bit.ly/2p062F5.

Mit musikalischen Grüßen
Laurent (Sequentia Legenda)