Hippiesland

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Das Interview mit Harald Gramberg zum Thema Hippiesland und zu seinem neuen Album „Andromeda“ führte Stephan Meyer vom plattenkeller-radio am 19.09.2016


Stephan: Hallo Harald! Heute bist Du mal auf der anderen Seite und musst Fragen beantworten! Erst mal Danke, dass Du von Deiner kostbaren Zeit etwas dafür opferst! ;-)

Harald: Hallo Stephan, ich freue mich sehr, dass ich heute mal auf der anderen Seite des Interview-Tisches sitzen kann, um ein paar Eindrücke aus meinem Leben zu schildern.

Stephan: Ich glaube, auch für Dich passt der Song „Music was my first love“ ? Wann hattest Du das erste Mal Kontakt zur Musik? Wann hast Du gemerkt, dass Musik mehr ist als nur „Riff & Groove“?

123456Studio.jpgHarald: Musik hatte mich schon immer sehr interessiert, bereits in meiner Kindheit, obwohl die damaligen 50er Jahre nichts wirklich Bahnbrechendes an musikalischen Darbietungen hervorgebracht haben. Richtig los ging es dann in den 60ern, als die Beatles und die Rolling Stones etc. aufkamen. Zum Geburtstag bekam ich dann meinen ersten Plattenspieler und kaufte mir viele Platten von meinem Taschengeld. Kurz danach bekam ich dann ein Tonbandgerät, das erstaunlicher Weise heute immer noch so gut funktioniert wie damals vor 50 Jahren. Dass Musik mehr als nur „Riff & Groove“ ist wurde mir bewusst, als die ersten psychedelischen Bands wie Led Zeppelin, Pink Floyd und Deep Purple aufkamen. Meine Plattensammlung wuchs und wuchs. Außerdem hatte ich viele namhafte Bands Live erlebt, denn damals kosteten Eintrittskarten ja noch nicht so viel wie heute. Musik war nicht nur „my first love“, sondern wird mit Sicherheit auch „my last love“ sein.

Stephan: Auch Du hast ja einen breiten Musikgeschmack. Stimmst Du mir zu wenn ich sage, es gibt keine schlechte Musik (Ausnahmen gibt es immer), sondern nur der falsche Augenblick in dem man sie hört? Kann Musik Balsam für die Seele sein?

Harald: Es gibt natürlich Stilrichtungen, die mir einfach nicht liegen, nicht weil gerade der falsche Augenblick dafür ist, sondern weil die Thematik, die diese Musik verkörpert nicht meiner Lebenseinstellung entspricht. Ich denke, Musik ist immer Geschmacksache und hängt auch von der Bewusstseins- und Bildungsreife des jeweiligen Kunsumenten ab. Aber schlechte Musik kann es nicht geben, denn sonst würde sie ja nicht gekauft werden. Auf jeden Fall ist Musik Balsam für die Seele und auch für den geistigen Horizont, der sich durch den Musikgenuss immer mehr ausweiten kann.

Stephan: Du hast das Hippiesland vor 3 Jahren ins Leben gerufen. Wie kam Dir die Idee dazu?

Harald: Die Idee kam eigentlich spontan. Ich wollte ein Forum und eine Online-Community aufbauen, in der hippiemäßig angehauchte Menschen miteinander kommunizieren und diskutieren können, sich miteinander verabreden und sich kennenlernen können. Früher in der Glanzzeit der Hippiebewegung brauchte man so etwas nicht, denn da gab es viele einschlägig bekannte Orte, zu denen man einfach hinfahren und sicher sein konnte, dass man dort zu jeder Tages- und Nachtzeit coole Leute antrifft. Aber heute kann man Gleichgesinnten nicht mehr überall begegnen, außer mehrmals im Jahr auf Festivals und Konzerten.
Natürlich gibt es die sozialen Netzwerke, die für die Knüpfung von Kontakten bestens geeignet sind, die allerdings den Nachteil haben, dass interessante Postings von Freunden z.B. in Gruppen nach einer gewissen Zeit nur noch schwer auffindbar sind. Im Hippiesland hingegen kann man alles schnell wiederfinden, selbst wenn die Beiträge schon einige Jahre alt sind.

Stephan: Hättest Du jemals mit einer solchen Resonanz gerechnet? Kann man sagen, dass Du mit dem Hippiesland eine Infoplattform auch für nachfolgende Generationen geschaffen hast? Würdest Du das Hippiesland als Zenit in Deinem Leben sehen?  Aus einer kleinen Infoseite ist nun wahrlich eine Bildungsseite und Nachschlagewerk geworden für Musik-Freaks und Blumenkinder mit musikalischem Horizont.

Harald: Anfänglich hatte ich nicht mit großer Resonanz gerechnet. Irgendwann kam dann der Gedanke, neben dem geschlossenen Forenbereich einen redaktionellen, öffentlichen Teil zu erschaffen, in dem jeder herumstöbern kann, auch wenn er sich in der Community nicht angemeldet hat. Und das war der große Durchbruch. Begonnen hat es mit der Interview-Ecke, in der inzwischen mehr als 40 Interviews zu lesen und teilweise auch anzuschauen sind.
Nach und nach kamen immer neue Rubriken hinzu:
Die Bandvorstellungen, wo uns jeder Künstler Text- und Bildmaterial zur Verfügung stellen kann, das wir dann dort gerne veröffentlichen.

Die Album-Releases, wo wir gerne Rezensionen zu neuen Alben schreiben, die uns von Record-Labels, PR-Agenturen und Bands zur Verfügung gestellt werden.
Berichte über Konzerte, bei denen nicht nur ich persönlich anwesend war, sondern auch andere Mitstreiter unserer inzwischen zu einer Interessengemeinschaft herangewachsenen Redaktion.
Ganz neu die Rubrik „Szene und Literatur“ mit Berichten über Bücher und Filme, Museen und Kunstausstellungen usw.

Bildungsseite und Nachschlagewerk sind gute Worte von Dir, Stephan, obwohl wir inzwischen von dem Begriff Online-Magazin Gebrauch machen. Ich kann es durchaus als Zenit in meinem Leben sehen und verbringe täglich sehr viel Zeit mit der Pflege der Webseite und dem Schreiben und der Veröffentlichung neuer Berichte. Zum Glück habe ich einige mehr oder weniger tatkräftige Mitstreiter, denn alleine wäre das Ganze überhaupt nicht mehr zu bewerkstelligen. Wenn also der Eine oder Andere ebenfalls an dem redaktionellen Teil mitwirken möchte, kann ich nur sagen: „Willkommen an Bord.“

Mit der „etwas für die nachfolgende Generation geschaffen zu haben“ sehe ich Probleme, da ich im Moment noch niemanden kenne, der in HTML und CSS so gut bewandert ist, dass er nach meinem Ableben mein Werk weiterführen könnte.

Stephan: Du bist ja auch Musiker? Hast Du eine musikalische Ausbildung oder mal ein Instrument erlernt? Oder hast Du dir alles wie Jimi Hendrix autodidaktisch angeeignet?

Harald: Eine musikalische Ausbildung hatte ich nie genossen, aber in der Schule war ich in Musik immer einer der Klassenbesten. Dann bekam ich meine erste Gitarre, klimperte auf ihr herum und lernte von einem Freund die ersten einfachen Griffe kennen. Heute besitze ich immer noch drei Gitarren, habe aber nach und nach immer mehr gemerkt, dass Saiteninstrumente nicht so ganz mein Fall sind. Auch eine Sitar hatte ich mal besessen, musste sie aber wegen eines finanzellen Engpasses (damals war ich noch im Studium) wieder abgeben. Dann war da noch eine Hammond Orgel, allerdings war ich damals wohl noch nicht multitaskfähig genug, um Tasten und Fußpedale gleichzeitig in einen harmonischen Einklang zu bringen. Meine Querflöte hatte mir dann damals schon bedeutend mehr Spass bereitet. In neuester Zeit habe ich dann meine Liebe zum Schlagzeug gefunden, wahrscheinlich auch deswegen, weil ich es mir viel einfacher vorgestellt habe als es in Wirklichkeit ist. Aber am liebsten drehe ich an irgendwelchen Knöpfen herum und bediene Schieberegler.

Stephan: Dein musikalisches Werk „Andromeda“ ist erschienen. Was hat Dich inspiriert dazu? Wann und wo kamen Dir die Ideen dazu? Es hat mich gleich beim ersten Hören an die guten 70er mit Tangerine Dream erinnert? Schon jetzt würde ich sagen es sind zeitlose Songs? Im plattenkeller-radio sind sie ja schon online!

Harald: Musik wollte ich eigentlich immer nur für mich alleine machen oder höchstens mal, um sie meinen Freunden vorzuspielen - in der Hoffnung, dass sie dem Einen oder Anderen gefallen könnte. Zugegebenermaßen waren meine Anfänge nicht gerade zufriedenstellend, aber das ist halt auch eine Entwicklungsphase, die jeder Musiker mal durchmacht. Erst in jüngster Zeit habe ich nach mehreren Versuchen in verschiedensten Genres meine Liebe zu spacig-psychedelischen Klangexperimenten gefunden, mit inspiriert duch die sogenannte „Berliner Schule“, eine Stilrichtung der elekrtonischen Musik, die sich in den 70er Jahren in Deutschland entwickelte und zu deren Pionieren auch Tangerine Dream gehört haben, die Du ja bereits erwähnt hast. Also auf jeden Fall zeitlose Musik, die nicht wie eine kurze Modeerscheinung bald wieder in Vergessenheit gerät.

Mein erstes digitales Album „Andromeda“ habe ich zwei Zufällen zu verdanken, die zeitgleich eingetreten sind:

Nicolás Desulovich aus Argentinien hatte mich wegen eines Interviews bzw. einer Bandvorstellung kontaktiert. Er macht selber unter seinem Projektnamen ARS Caelum sehr gute Musik und betreibt das Netlabel Nebular Silence. Bei dieser Gelegenheit hatte ich ihn dann gefragt, ob es möglich wäre, ein Album von mir dort zu veröffentlichen und er hat dankenswerter Weise zugestimmt.

Zeitgleich trat Sascha von Das Raumpiloten an mich heran mit dem Angebot, ein digitales Album von mir bei seinem Netlabel Aumega Projekt zu veröffentlichen. Sascha hat sich dann die Mühe gemacht, unter all meinen Werken die sechs besten herauszufiltern, die natürlich auch von der Stilrichtung her miteinander harmonieren sollten. An dieser Stelle vielen lieben Dank an Sascha für seine Mühe, und auch das Artwork stammt übrigens von ihm.

Da Nicolás und Sascha sich kennen, lag es nahe, mein Album zeitgleich auf den Tag genau bei beiden Labels zu veröffentlichen.

Stephan: Welche Instrumente setzt Du ein?

Harald: Neben akustischen Instrumenten wie Djembé, Zupftrommel und in Anfangszeiten auch eine Bottleneck-Gitarre usw. habe ich bislang vieles über dafür geeignete Synthesizer-Software am PC gemacht. Besonders gut geeignet, um z.B. die eigene Stimme aufzuzeichnen und so zu verfremden, dass sie nicht mehr als Sprachgesang wahrgenommen wird, sondern als ein eigenständiges Musikinstrument. Abgewandelte Stimmen haben für mich eine sehr hohe Bedeutung, was sich auch sehr häufig in der Industrial-Musik der 80er Jahre wiederspiegelt und auch heute wieder stark im Kommen ist.

Dann natürlich meine E-Drums von Yamaha und meinen erst gar nicht vor allzu langer Zeit erworbenen Moog-Synthesizer, der durch seine für einen Moog charakteristische Klangfarbe wirklich keine Wünsche mehr offen lässt. Also in diese Richtung wird es weiter gehen, kurz und prägnant gesagt: Alle Facetten der EM (Elektronische Musik) mit starker Anlehnung an die Berliner Schule, aber gemischt mit anderen Sub-Genre-Einfüssen.    

Stephan: Es sind ja Songs, die sehr gut zum Mammut-Rock in unseren Sendungen passen. Was fasziniert Dich an langen Musikstücken? Andromeda ist ja vom Sachverhalt her schon etwas gigantisch Großes? Mit kurzen Songs könnte man ja solche komplexe Themen nicht verarbeiten?

Harald: Besonders die Berliner Schule zeichnet sich durch lange Stücke, sich wiederholende, dabei aber kontinuierlich modifizierten Strukturen aus. Es geht mir darum, den Hörern eine Botschaft zu überbringen, sie auf eine lange Reise in die unendlichen Weiten des Universums mitzunehmen, sie in einen meditativen Trancezustand zu versetzen um ihr Bewusstsein zu erweitern. So etwas geht natürlich nicht innerhalb von nur wenigen Minuten, und Hektik ist auf keinen Fall angesagt.

Stephan:  Wo kann man die Songs downloaden? Ist ein physischer Tonträger geplant?

Harald: Downloaden kann man das aus sechs Tracks bestehende Album Andromeda mit den Titeln „A Spaceful Of Lovin'“, „Mensch in Universum“, „Andromeda“, „Brain Industrial“„Last Second Day (Part 2 und 3)“ und „Psychedelic Journey“ auf den Bandcamp-Seiten von Nebular Silence aus Argentinien und Aumega Project aus Deutschland:

https://nebularsilence.bandcamp.com/album/andromeda
https://aumegaproject.bandcamp.com/album/andromeda

Außerdem findet man den Track „Last Second Day“ in 20-minütiger Länge - bestehend aus den Parts „Beginning“, „Lyserg Space Drivers“ und „Landfall“ - auf der Bandcamp-Seite von „New Way Of Krautrock“:

https://newwayofkrautrock.bandcamp.com/track/last-second-day

Danke an dieser Stelle an Dieter Löckener von den Underground-ÄxpÄrten für die bereits im Juni stattgefundene Veröffentlichung.

Ein physischer Tonträger wäre auf jeden Fall in meinem Sinne, egal ob als komplettes Album oder auf einem Sampler zusammen mit anderen Klangprojektkünstlern, wozu auch mein brandneuer Track mit dem Titel Die Kraft der Liebe" gut geeignet wäre. Nur ist es natürlich sehr schwierig, ein passendes Label dafür zu finden. Aber vielleicht findet sich ja mal jemand...

Stephan:  Danke lieber Harald für diese Informationen zu Dir! Weiterhin viel Freude mit dem Hippiesland und viel Erfolg mit Deinen musikalischen Schaffen! Ich freue mich auf eine weiterhin gute Zusammenarbeit mit Dir! Du hast nun das Schlußwort!

Harald: Der Dank geht an Dich, lieber Stephan, und auch ich freue mich auf eine weitere gute Zusammenarbeit unserer zwei Gemeinschaften „plattenkeller-radio“ und Hippiesland.

Und an alle Musiker dort draußen:
Denkt nicht nur an Euch, sondern lernt auch die Werke anderer zu schätzen. Jeder von uns gibt sein Bestes, jeder Song ist ein Bestandteil des Lebens des jeweiligen Künstlers, und jedes Leben sollte respektiert und beachtet werden.