Hippiesland

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Das Interview mit Hagen von Bergen führte Harald G. aus dem Hippiesland am 29.08.16


   

Harald G.: „In seinem kleinen aber feinen Projekt-Studio “Klanganstalt Bergen“ produziert Frank Schüßler unter dem Namen Hagen von Bergen elektronische Musik, die in keine Schublade passt. Neben der Klangforschung ist die Fotografie eine große Leidenschaft von Hagen von Bergen...“
So hat es Hagen von Bergen selber beschrieben, und wir freuen uns, ihn heute in unserer Interview-Ecke begrüßen zu dürfen.
Vielleicht möchtest Du unseren Lesern zunächst einmal etwas darüber erzählen, wie und wodurch alles einst begann und wie lange Du schon als „Klangprojektkünstler“ tätig bist...

Hagen von Bergen: Hallo und erstmal herzlichen Dank für die Einladung zum Interview im Hippiesland. Dem komme ich natürlich gerne nach, zumal Hippiesland ein tolles Projekt ist und ich mich sehr freue, dass Ihr über das Netz auf mich aufmerksam geworden seid.

Musikbegeistert war ich schon in Kindertagen, aber richtig los ging es dann, als ich zur Konfirmation den ersten Plattenspieler bekam und anfing bewusst Musik zu hören. Am Anfang drehten sich dann Deep Purple, Rainbow, Led Zeppelin usw. In der Schule hatte ich gute Connections zu einigen älteren Schülern, sodass ich oft mit 2 Plastiktaschen voller LPs bepackt nach der Schule nach Hause kam. Hausaufgaben? Pah, die Platten mussten gehört und natürlich damals auch auf Cassette überspielt werden. So kamen Gruppen wie Genesis, Yes, King Crimson usw. dazu und es hat auch nicht lange gedauert, bis sich mir die Welt des Jazzrocks und Jazz erschloss. Der Entschluss, selber was zu machen, und zwar mit Synthesizer, fiel, als ich mit 16 oder 17 zum ersten Mal eine Platte von Klaus Schulze in die Finger und auf die Ohren bekam. Dune und Timewind haben mich damals angefixt. Ab sofort wurde dafür gespart. Während meinem Zivildienst in Bonn bin ich zufällig in der Mittagspause am Synthesizer Studio Bonn vorbeigeschlendert und habe ein paar Tage später dort den ersten Synthesizer, einen Banana, erstanden.

In der Bonner Zeit war ich dann noch Keyboarder einer New Wave/Rock Band namens Mind Appartment, aus der ich kurze Zeit später wieder rausflog, weil die Vorstellungen von Musik doch stark auseinander gingen.

Umso motivierter kaufte ich mir dann einen Tascam Vierspurrecorder und fing an meine eigenen Stücke zu basteln. Dazu kamen dann ein Drumcomputer, ein Hallgerät und später der Atari mit Cubase.

So ausgestattet entstanden einige Tracks, die den Weg auf Cassette, aber nie in die Öffentlichkeit, erlangten.

Dann gab es eine langjährige Schaffenspause, aus privaten Gründen, bis ich 2007 wieder dieses Kribbeln spürte, endlich wieder kreativ werden zu müssen. Ich renovierte das zum Rauchersalon verkommene Studio, rüstete mit PC und aktuellem Cubase auf und legte mit der Maxisingle „Ravenlooper“ unter dem Künstlernamen Hagen von Bergen frisch los.

Harald G.: Wie würdest Du von ihrer Klangcharakteristik bzw. vom Genre her Deine Werke selber zutreffend bezeichnen?

Hagen von Bergen: Gute und schwierige Frage. Ich denke, es gibt keine eindeutige Schublade für meine Sachen, obwohl mein ganz eigener Stil immer rauszuhören ist. Ich veröffentliche ja unter 2 Projektnamen. Einmal als Hagen von Bergen und dann noch als Hargest Darken. Hargest Darken sind eher die dunklen Stücke, die man vielleicht als Dark Ambient oder Dark Powerambient bezeichnen könnte, wobei auch oft brachiale rhytmische Elemente vorkommen. Unter Hagen von Bergen laufen dann eher die beatorientierten und melodischeren Tracks, die auch schon mal in den Technobereich gehen. Aber, die von mir mal angedachte Trennung der Projekte wird vom Erschaffer eigentlich gar nicht wirklich eingehalten.

Harald G.: Mit welchem Equipment arbeitest Du bei der Entstehung Deiner musikalischen Künste?

Hagen von Bergen: Aktuell kommen Hardware und Software zum Einsatz. Hauptsynth ist der Virus TI Polar, der Quasimidi Raven, Yamaha DX-11, ein Yamaha TG55 Rompler, EMU Proteus World, Akai S2800 Sampler, Yamaha RX 7 Drumcomputer. Weitere Sounds liefert ein iPad mit diversen Synth. Gerne nutze ich auch die Cubase eigenen VSTs und beim kommenden Album kommt der Omnisphere 2 oft zum Einsatz. In einem Großteil meiner Stücke sind Fieldrecordings vom Zoom H2 zu hören, die teils im Original oder aber auch total verfremdet sind. Aufgenommen und gemischt wird mit Cubase 7.5 auf einem PC.

Harald G.: Und Du produzierst die Tonträger Deiner Musikprojekte im eigenen Tonstudio und über Dein künstlereigenes Independent Label...

Hagen von Bergen: Ja genau. Mein Studio ist die Klanganstalt Bergen und mein kleines Label nennt sich BI-ZA Records. Ich habe wohl das kleinste Label der Szene überhaupt, bin aber ein wenig stolz darauf, gepresste CDs zu veröffentlichen. Das ist vom wirtschaftlichen Aspekt her natürlich gewagt, aber macht einfach Spaß. Und meine gepressten CDs werden sogar oft günstiger angeboten als die CDRs anderer Labels.

Harald G.: Wie viele Alben hast Du bereits veröffentlicht, wann war das und wie hast Du sie betitelt?

Hagen von Bergen: Unter Hagen von Bergen gibt es die Maxisingle „Ravenlooper“ und die beiden CDs „JETZT“ und „Ei Allemol“. Von Hargest Darken die CD „Abschied ist ein schweres Schaf“. Auf Bandcamp als reine Downloadalben „Lift your ass and feel the beat Part 1 und 2“ und „In da Villa Kunta Bunta“.

Harald G.: Und man kann diese Tonträger - so weit noch nicht ausverkauft - über BI-ZA Records bestellen. Gibt es dort nur Deine eigenen CDs oder veröffentlichst Du - falls Interesse daran besteht -  auch Werke anderer Künstler?

Hagen von Bergen: Meine 3 gepressten CDs sind alle noch über BI-ZA Records erhältlich. Aktuell ist in meinem kleinen Shop auch noch das Album „Hypnotized“ von der Elektronik-Rock Formation Sine Amplitude zu haben. Mit Mastermind Torsten Abel bin ich sehr gut befreundet, und wir haben die erste CD der Band auf BI-ZA veröffentlicht. Das Album kann natürlich auch direkt über Sine Amplitude bezogen werden. Ein anderer guter Freund, Michael Brückner, hat 2014 sein Monsterwerk „Ombra Revisited“ auch bei mir als gepresste CD in Kleinauflage plus Bonusmaterial herausgebracht. Ombra ist noch in geringer Stückzahl direkt bei Michael Brückner zu haben.

Harald G.: Deine Bandcamp Seite hattest Du ja eingangs schon erwähnt. Also kann man Musik von Dir im Internet hören oder auch als Download käuflich erwerben...

Hagen von Bergen: Ja, die Bandcamp Seite mit Werken, die nicht als CD veröffentlicht wurden. Das sind quasi EPs von Hagen von Bergen, die durchaus auch tanzbar daher kommen, aber auch genug Raum für Experimentelles und Ambient lassen. Einfach mal vorbeischauen und reinhören:

http://hagenvonbergenhargestdarken.bandcamp.com/

Es gibt auch noch 2 My Space Seiten, die ich aber nicht mehr aktuell halte.

https://myspace.com/hagenvonbergen

https://myspace.com/hargestdarken

Den ein oder anderen Song von mir kann man auch auf Soundcloud hören:

https://soundcloud.com/hagen-von-bergen

Harald G.: Gibt es auch Video-Clips, z.B. auf YouTube, die man sich anschauen kann?

Hagen von Bergen: Ja, gibt es. Ich habe einen YT Kanal mit einigen kleinen Videos zum Teil selbstgemacht, zum Teil von befreundeten Künstlern. Die Videos erheben allerdings keine hohen künstlerischen Ansprüche...lach....sind in erster Linie für die Hörer, die was flackern sehen müssen, wenn sie Musik hören. Wer kann heute denn noch ein Stück von 50 Minuten konzentriert durchhören? Und natürlich um auf FB auf Neues hinzuweisen.

Harald G.: Unsere hoffentlich neugierig gewordenen Leser wissen nun, wo sie sich Material von Dir anhören bzw. anschauen und auch kaufen können. Arbeitest Du ausschließlich im Studio oder gibst Du auch schon mal Live-Vorstellungen? Und wenn nicht, könntest Du Dir vorstellen, auch mal auf einer privaten oder öffentlichen Veranstaltung zu spielen?

Hagen von Bergen: Live spiele ich bislang nicht und es schärft mich auch nicht wirklich. Ganz ehrlich, Konzerte mit EM finde ich überwiegend selber langweilig, weil auf der Bühne keine Action ist. Da schaue ich mir lieber ne Rock- oder Jazzband live an. Ältere Herren hinter ihrer Ritterburg, die bedächtig an Knöpfchen drehen sind nun mal nicht sehr sexy...lach.... und, so würde ich ja auch auf der Bühne sitzen.

Harald G.: Und im Rundfunk sowie bei Internet-Radios wurde bzw. wird auch schon mal Musik von Dir gesendet?

Hagen von Bergen: Ja, über zu wenig Airplay kann ich mich nicht beklagen. Meine Musik ist regelmäßig zu Gast bei den Sendungen von Modul303, in Steven Barbers Sendungen auf Aiiradio-Net, Elektroklang Radio vom Kollegen Gerald Wirtz, Radio Happy und bei den Underground-ÄxpÄrten von Radio Sunrise. Im Dark Ambient Radio bin ich seit Jahren mit mehreren Tracks im täglichen Stream. Und natürlich neuerdings auch in Eurem plattenkeller-radio.

Harald G.: In der nächsten Sendefolge von „Hippiesland on Air“ bei den Underground-ÄxpÄrten wird auch ein langes Stück von Dir vorkommen, und ich denke, die meisten werden in der Lage sein, es „konzentriert durchzuhören“, um Deine Worte von vorhin zu gebrauchen.
Wie sehen Deine weiteren Zukunftspläne aus, vor allem auch in Bezug auf weitere Projekte?

Hagen von Bergen: Für dieses Jahr ist noch die Veröffentlichung einer gepressten Doppel-CD geplant. „Der dauernde Fluss“ wird sie heißen und es werden 10 Tracks enthalten sein, die BARDO 1 bis BARDO 10 heißen. Ich kann schon mal versprechen, dass es viele neue Sounds zu hören gibt, ich verwende ja so gut wie nie fertige Presets. Ausserdem sind wieder unzählige Fieldrecordings am Start und die Grundstimmung ist eher düster. In einigen Tracks werden auch schwere Beats zu hören sein und es laufen auch einige feine Sequenzen mit. Ich werde die Stücke im September erstmal ruhen lassen und mich danach an den Feinschliff und das Mastering begeben.

Eine kleine Kostprobe kann man schonmal vorab auf Bandcamp hören.

https://hagenvonbergenhargestdarken.bandcamp.com/track/bardo-10

Und dann, darauf freue ich mich ganz besonders, wird auch Ende des Jahres eine Doppel-CD von meinem hochgeschätzten Kollegen und Freund Christian Fiesel, auf BI-ZA Records erscheinen. Christian ist ein ganz besonders talentierter Elektroniker, der auch seinen ganz eigenen Stil entwickelt hat und sich in keine Schublade stecken lässt. Er ist mit seinem Schaffen eine große Inspiration für mich und ich bin wirklich sehr stolz, dass wir dieses Projekt zusammen stemmen werden. Es gibt von Christian so viel tolles Material, dass es locker auch für ein 10 CD Set reichen würde. Aber, wir backen dann doch erstmal etwas kleinere Brötchen und schauen, wie das anläuft.

Es gibt auch noch einige Anfragen von anderen Künstlern auf BI-ZA zu veröffentlichen, aber, da der Anspruch ja gepresste CDs sind, ist nicht alles machbar. Mal sehen, was 2017 so bringt...

Harald G.: Im Namen der Hippiesland-Interessengemeinschaft bedanke ich mich für dieses sehr aufschlussreiche Interview. Es gibt noch Fragen über Fragen, z.B. auch was Deine Leidenschaft zur Fotografie angeht. Ich möchte mich deswegen für heute schon mal von unseren Lesern verabschieden und Dir abschließend noch ein paar Sätze gönnen, in denen Du ihnen gerne alles erzählen darfst, was sie sonst noch so über Dich wissen sollten...

Hagen von Bergen: Ach, da gibt’s nicht so viel zu erzählen. Ich kann natürlich nicht von Musik leben und gehe daher einem ganz normalen Broterwerb nach, habe 2 Kinder, die schon lange flügge sind und lebe im Hunsrück in meinem kleinen Häuschen mit Garten.

Der Künstler/Projekt-Name Hagen von Bergen kommt übrigens daher, dass meine Lebensgefährtin aus Hagen stammt und auch noch dort lebt und ich im kleinen Nest Bergen wohne.

Fotografie ist ein weiteres Hobby von mir. Ich bin allerdings eher der Knipser mit  ganz gutem Blick für Motive, aber, ohne großes Equipment und höhere Ansprüche. Am liebsten chille und werkele ich in meinem wilden Garten. Hier kann man natürlich auch schön mit Freunden um's Lagerfeuerchen sitzen und grillen und ein leckeres Bierchen trinken.