Hippiesland

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Das Interview mit Alan Tepper von Fantasyy Factoryy führte Harald G. am 05.12.16


  

fantasyy-factoryy-2.jpgHarald G.: Wir freuen uns, Alan Tepper von Fantasyy Factoryy heute in unserer Interview-Ecke begrüssen zu dürfen. Fantasyy Factoryy , eine Band, die es nicht erst seit heute gibt, und die wir im kommenden Jahr gleich zweimal in der alten Ratsschänke zu Geseke sehen dürfen: Beim Psychedelic Space Rock Festival V im August und beim Warmup zum Festival im März. Fangen wir doch am besten damit an, indem Du Dich und Deine Band unseren Lesern kurz vorstellst - wie Ihr heißt, wo Ihr wohnt und was Ihr sonst noch so außer Musik macht... 

Alan Tepper: In der aktuellen Fantasyy Factoryy Besetzung kommen wir alle aus dem Raum Geseke.

Mickey Nolte ist unser Schlagzeuger. Er hat in den lezten 30 Jahren sehr viel live in verschiedenen Bands gespielt und auch Platten im Krautrock-Kontex aufgenommen, zum Beispiel mit der Achtziger-Formation Merlin.

Horst Böhner ist unser Bassist. Er hat in seiner Vorgängerband Argus mit Mickey gespielt, die sich aber vor einigen Jahren aufgelöst haben. Und so kam es, dass wir zueinander gefunden haben.

Horst ist Inhaber von einem Restaurant. Ich bin hauptberuflich Musikjournalist und Übersetzer, und Mickey ist Zahntechniker.

Ich, Alan Tepper, spiele Gitarre und bin für die Vocals zuständig.

Wir spielen hauptsächlich in diesem Trio, aber wenn es klappt, bringen wir zum Psychedelic Space Rock Festival 2017 Gastmusiker mit, entweder einen Organist oder eine Violinistin namens Marine Babakyan

Harald G.: Für die Leser, die Euch vielleicht noch nicht kennen ist es immer interessant zu wissen, wer von Euch welche Instrumente spielt und mit welchem technischen Equipment Ihr im Proberaum, im Aufnahmestudio oder auf der Bühne arbeitet... 

Alan Tepper: Hinsichtlich des Equipments benutzen wir eigentlich recht traditionelle Sachen, denn gerade einem Trio bietet es sich an, nicht zu viel Technik mitzubringen. Unser Drummer Mickey spielt ein Schlagzeug im Grunde genommen in einer Grundausstattung, mit dem er sich auch optimal ausdrücken kann. Es ist ein Sonor Signature Set in African Bubinga mit einer 22" Bassdrum, 10 und 12" High Toms, 14 und 16" Floortoms und einer 14x8" Holzsnare, bzw. 14x 6,5" Metalsnare. Als Becken benutzt er ausschließlich Zildjian Standard. 

Horst, der Bassist, spielt verschiede Verstärker und verschiedene Bässe, die er meist selbst gebaut hat. Es kommt ihm darauf an, dass er zu dem jeweiligen gespielten Track immer den dazu am besten geeigneten Bass nimmt. Momentan träumt er von einem Fender Precision Bass. 

Bei mir an der Gitarre ist es auch eher traditionell: Ich spiele eine Stratocaster und einen Fender-Verstärker mit wenigen Effekten. 

Uns geht es vorwiegend darum, die Musik nicht durch zu viele Effekte zu verwässern, sondern auf das Zusammenspiel zu achten. Wir gehen bei den Improvisationen immer aufeinander ein. Zu viel Eqipment könnte dort stören, weil der Gesamtsound dann ausufern würde. Wenn man die Sachen einfacher hält, kann man sich besser hören und zuhören, und dadurch entwickeln sich die besten Improvisationen. 

Harald G.: Wann habt Ihr Euch gegründet und wie bzw. wo habt Ihr Euch kennen gelernt? Spielte der eine oder andere von Euch vorher schon mal in einer anderen Band? 

Alan Tepper: Mickey und Horst hatten zusammen bei der bereits von mir erwähnten Vorgängerband Argus gespielt. Die Gründung von Fantasyy Foctoryy geht bis in das Jahr 1994 zurück, da waren die beiden „neuen“ Musiker Mickey und Horst noch nicht dabei. Fantasyy Factoryy wurde von mir und dem guten Freund Uli Twelker gegründet, mit dem ich seit Jahren Musik mache. Er ist auch Buchautor und hat vor kurzem eine Biographie über Georgie Fame veröffentlicht und auch schon Anfang der 90er ein Buch über die Small Faces und Humble Pie. Er kam 1994 auf die Idee: „Lass uns doch mal wieder etwas zusammen machen“. Ein erstklassiger Bassist aus Dortmund, Tom Schmitz hieß er, stieß zu uns. Es hat sich dazu entwickelt, dass wir einen Misch aus Cover-Versionen gespielt haben, z.B. von Jimi Hendrix, Ten Years After, Chicken Shack, Johnny Winter und natürlich Cream - und auch eigene Stücke - eine Entwicklung, die immer weiter ging. Uli ist dann ausgestiegen, weil er damals noch als Lehrer arbeitete und beruflich sehr eingebunden war. Mit einem neuen Schlagzeuger waren dann irgendwann so viele eigene Stücke vorhanden, dass sich die Frage nach einem Plattenvertrag stellte. Wir hatten das Glück, bei Ohrwaschl Records einen sehr guten Vertrag angeboten zu bekommen und parallel dazu bei Acme Records in England. Die haben damals das Vinyl gemacht und Ohrwaschl die CD. Das war 1995. Wir haben unser Debüt auch in London aufgenommen, in dem Sundial Studio, denn das Acme Label gehörte damals Gary Ramon, der mit Sundial auch einer der Mit-Initiatoren der Neopsych-Bewegung war. Er hat uns eingeladen, sehr kostengünstig in London aufzunehmen, und es waren wirklich optimale Bedingungen. Alleine schon vom Feeling her, denn wenn Du in London eine Platte produzierst, ist das etwas ganz anders, als wenn Du das z.B. irgendwo in Deutschland in einer kleineren Stadt machst. Du stehst morgens auf, siehst das ganze Ambiente und triffst viele Musiker bei den Studios. Das waren sehr positive Erfahrungen. London ist eine Stadt - da ist einfach an jeder Ecke Musik, man unterhält sich mit Leuten, und zufälligerweise hat jeder irgendeine Story über Musik zu erzählen - der eine hat John Lennon 1978 dort gesehen, der andere war dabei, als die Kinks diese oder jene Platte aufgenommen haben. Einfach eine tolle Sache, etwas in einem solchen Umfeld aufzunehmen. 

Harald G.: Du hattest ja eben schon das Thema Gastmusiker bei dem bevorstehenden Psychedelic Space Rock Festival angeschnitten, und ich denke mal davon ausgehen zu dürfen, dass Ihr auch schon vorher öfter mit Gastmusikern zusammen gearbeitet habt...  

Alan Tepper: Das erste Fantasyy Factoryy Album „Ode To Life“ wurde ganz klassisch in der Trio-Bestzung aufgenommen, aber schon beim zweiten Album war es so, dass Rainer Opiela, ein guter Freund von mir - der leider vor einigen Jahren verstorben ist - sich mit seiner Querflöte als Gastmusiker angeboten hat. Und da ich mit Rainer immer gerne Musik gemacht habe, haben wir einfach mal gesagt: „Okay, dann machen wir doch mal ein paar Songs mit Querflöte“. Damit weiteten wir das ganze Konzept aus, haben auch mal einen folkigen oder einen rockigen Song mit Querflöte dazu genommen. Das war Rainers wichtiger Beitrag auf dem zweiten Fantasyy Factoryy Album „Tales To Tell“. Auf dem vierten Album „Dreams Never Sleep“ war es so, dass wir durch den Bassisten den sehr guten Organisten Markus Dassmann kennen gelernt haben - noch richtig stilecht mit einer Hammond Orgel - mit dem wir dann auch Songs eingespielt haben. Für mich ist es halt wichtig, dass jedes Album an sich gesehen immer wieder neue Facetten erkennen lässt. Deswegen trete ich auch ganz gerne mal mit der Gitarre zurück, um anderen Leuten den Vorrang zu lassen. Das finde ich nicht nur selbst ziemlich spannend, sondern es ist auch für die Hörer ganz einfach interessanter. 

Harald G.: Ich finde Eure Musik sehr psychedelisch, und sie erinnert mich sehr an die guten 60er und frühen 70er Jahre. Aber wie würdet Ihr selber vom Genre her Eure Musik zutreffend bezeichnen, und habt Ihr Euch durch Musiker oder Bands aus der damaligen Zeit inspirieren lassen - und wenn ja, von welchen? 

Alan Tepper: Wir sind, was den musikalischen Geschmack anbelangt, sehr tief in den späten 60er und in den 70er Jahren verwurzelt. Was damals als psychedelisch galt - die Art, Stimmung zu erzeugen - ist für mich nach wie vor immer noch einzigartig. Wenn ich mir z.B. die frühen Pink Floyd anhöre oder auch viele Bands, die nicht mehr so bekannt sind, wie z.B. die vom Vertigo Label oder auch die amerikanische Szene mit Jefferson Airplane und Quicksilver Messenger Service - das waren alles Bands, denen es nicht zu allererst darum ging, Geld zu machen sondern Musik, was ich für sehr wichtig empfinde. Und zweitens lag ihnen daran, den persönlichen Ausdruck in den Vordergrund zu stellen, das was man empfindet (z.B. zu träumen) auszuspielen, die Visionen bzw. Vorstellungen, die man gerade in diesem Moment empfindet in Musik umzuwandeln. Mickey und Horst sind in dieser Hinsicht vielleicht etwas „liberaler“ - sie hören auch häufiger mal neuere Sachen. Aber was meinen persönlichen Muskigeschmack anbelangt, bleibe ich lieber in den späten 60ern und in den 70ern, weil ich immer noch so viele Sachen lernen und für mich entdecken kann, was ich immer wieder faszinierend finde. Denn im Gegensatz zur heutigen Musik ist es doch schon so, dass sich frühere Bands nicht so leicht kategorisieren ließen. Man kann zwar sagen: „Okay, die waren jetzt psychedelisch...“, aber zwischen Pink Floyd, Jefferson Airplane und den Moody Blues, die auch ihre psychedelischen Parts hatten, da bestanden schon sehr, sehr große Unterschiede, und es wurde ganz einfach nicht so viel abgeguckt wie heutzutage. Wenn aktuell ein Trend angesagt ist, da springen sehr viele schnell darauf, was schnell zur absoluten Langeweile führt. Ich finde es wichtig, dass die Persönlichkeiten aller Musiker im Sound wieder hervorkommen. Die Individualität ist  das, was die ältere Musik im Gegensatz zu vielen heutigen Produktionen so spannend gemacht hat. Die Leute haben sich noch richtig eingebracht und nicht darauf geschielt, ob man etwas gut verkaufen kann oder nicht. 

Harald G.: Im Laufe der Jahre sind so viele Vinyl-Alben und CDs von Euch erschienen, dass eine vollständige Diskografie den Rahmen unseres Interviews sprengen würde. Deshalb nenne mir doch einfach mal Eure aktuellsten Alben - wobei es für die Vinyl- und CD-Sammler unter unseren Lesern immer interessant sein dürfte, wo man sie kaufen kann... 

Alan Tepper: Die aktuellste Produktion war „The Green Manalishi“ auf einem CD-Sampler des Rock-Magazins Eclipsed. Was ein komplettes Vinyl-Album anbelangt - das liegt schon wirklich lange Zeit zurück, und zwar 2007 mit This Is The Future Of Tomorrow“. Davor erschien „Paintings From Inner Space“, ein Konzept-Album, bei dem ich zuvor durch einen Bekannten den Maler Helmut Wenske kennen gelernt hatte. Es entwickelte sich damals ein Gespräch, in dem ich erfuhr, dass Wenske noch viele alte Motive übrig hatte, die er im Grunde genommen zwar auf Buch-Covern und irgendwelchen Kunstbänden schon in den 70er Jahren verwendet hat, aber nicht auf Platten-Covern. Ich fand diese Motive so anregend, dass der Gedanke entstand, daraus dieses besagte Konzept-Album zu machen, das auf vier seiner Bilder basierte. Da ich danach noch weitere Motive von ihm erworben hatte, entstand der Gedanke, noch ein zweites Album nachzuschieben. Das soll auch noch erscheinen, und zwar mit der oben genannten Geigerin Marine Babakyan. Zwischenzeitig hatte ich Probleme mit einer Muskelerkrankung des rechten Arms und konnte im Grunde genommen 3 Jahre keine Gitarre spielen.

ghg4546dfsgfff2.jpgErhältlich sind die Alben bei Ohrwaschl Records und anderen gängigen Internet-Quellen oder in Spezial-Geschäften. Bei Ohrwaschl Records bin ich schon sehr lange - er (Fuzzy, der Besitzer) ist ein sehr netter Typ, der sich nie in die Musik und in die Cover-Gestaltung einmischt. Er sagt also quasi gar nichts dazu, sondern verlegt einfach die Platten. Das ist für einen Musiker das optimale Umfeld, wenn einem keiner reinquatscht. Nichts gegen positive Tipps, aber mal angenommen, ein Label würde Dir z.B. sagen, dass Du den einen Song vielleicht um 3 Minuten kürzen musst und einen anderen dafür verlängern sollst - das wäre doch schon sehr einschränkend. Wir haben für das nächste Jahr noch zwei Veröffentlichungen geplant: Eine Vinyl-Single mit einem neuen Stück und einer Cover-Version auf der B-Seite und eine CD-Compilation mit Sachen, die noch nie auf CD erschienen sind. Mein Konzept bestand eigentlich die ganzen Jahre darin, dass ich die Bonus-Tracks immer auf Platten veröffentlicht habe. Nun ist die CD im steilen Sinkflug und ich möchte damit dieses Medium supporten. 

Die Schallplatte ist eigentlich mein Medium, das ich einfach toll finde, nicht nur wegen des Sounds, den ich immer überzeugender finde als den einer CD, sondern wegen des Ganzen - das Anfassen, die Ausdrucksmöglichkeit beim Cover; man kann ein Poster beilegen und muss sich nicht mit der kleinen Schrift abplagen wie auf einer CD, wo man manchmal noch nicht einmal die Titel mehr lesen kann. Aber es haben sich im Laufe der Jahre so viele Stücke angesammelt, die nur auf Platte erschienen sind, sodass mich in den letzten Monaten viele Fantasyy Factoryy Fans mit der Frage angeschrieben haben, ob man das nicht auch mal auf CD machen könnte. Das sind also die Pläne für das kommende Jahr, und ich hoffe, dass das dann auch alles bis zum Festival fertig ist. 

Harald G.: Kann man sich auch Musik von Euch im Internet herunterladen? 

Alan Tepper: Bei Bandcamp habe ich einen Track zur Verfügung gestellt. Alle anderen Möglichkeiten sind illegal. Es gibt einige Stücke bei iTunes herunterzuladen, aber das sind Sachen, die von einem italienischen Label dahin exportiert wurden, ohne dass sie es dürfen. Was mich sehr ärgert, denn bei uns gibt es eine ganz klare Maxime: Ich finde es einfach unschön, alleine wegen des Sounds. Internet ist eine ganz schwache Möglichkeit, einen halbwegs vernünftigen Eindruck von der Band und ihrem Sound zu bekommen. Es ist ja im Grunde genommen nicht nur die Musik, sondern auch beispielsweise das zugehörige Cover, und so etwas kann man im Internet einfach nicht vernünftig rüberbringen.

Auf der Bandcamp-Seite von New Way Of Krautrock gibt es einen Track von uns, aber ansonsten gibt es auf legalem Wege überhaupt nichts. Und ich möchte das auch nie machen, weil ich ganz einfach den Platten-Labels nicht in den Rücken fallen will, da ich ihnen dadurch im Grunde genommen Kunden entlocken würde. Ich finde es einfach wichtig, dass sich Leute mit den Tonträgern auseinander setzen, wie ich das auch immer gerne mache und wie mir es auch viele Plattensammler berichten: Du kommst nach Hause, Du nimmst Dir irgendeine Platte, Du setzt Dich hin, Du schaust Dir das Cover an, legst die Platte auf, Du verstehst einfach und hörst richtig zu. Und das ist ein riesiges Defizit beim Internet - nicht nur der schlechtere Sound durch die MP3-Qualität, die wirklich haarsträubend ist, sondern ganz einfach die fehlende Auseinandersetzung mit der Musik an sich. Ich selbst habe sehr viel dadurch gelernt, indem ich mich wirklich hingesetzt habe und Musik erfühlt habe, richtig mit dabei gewesen bin - zuerst die A-Seite, dann die B-Seite gehört habe und dann schon wieder Lust hatte, die A-Seite erneut zu hören, denn auf Vinyl sind die Platten ja selten länger als 40 Minuten. Beim Internet hingegen klickt man mal etwas kurz an, und es gefällt einen oder nicht - und man klickt weiter... und dadurch beschneidet man sich selbst. Denn gerade erst durch die intensive Auseinandersetzung mit der Musik bekommst Du wirklich was mit, auch emotional. Es ist unumstritten, dass Musik die Stimmung eines Menschen schneller als jedes andere Medium ändern kann. Wenn ein Hörer beispielsweise nicht gut drauf ist und er sich etwas Positives anhört, kann seine Stimmung innerhalb von kürzester Zeit umschlagen. Und gerade bei psychedelischer Musik kann man einfach mal „abfliegen“, sich einfach mal gehen lassen, träumen oder Gedanken entwickeln.... Diese ganzen Sachen sind im Internet einfach nicht mehr da. Ich sage mal ganz konservativ: Internet raubt sehr vieles. Genau die gleiche Geschichte, wenn Du z.B. ein gutes Museum besuchst. Im Internet siehst Du zwar Fotos, aber das ersetzt nicht das Original. Die Faszination, die man erlebt, wenn man wirklich das Original-Gemälde mit all seinen Farben und seiner Kraft sieht... Internet ist einfach nur ein Ersatz, mehr nicht.  

Harald G.: Um noch mal kurz bei dem Thema Internet zu bleiben: Wo findet man im Internet sonst noch Informationen zu Euch? Kann man auch Videos von Euch z.B. auf YouTube finden? 

Alan Tepper: Was YouTube angeht, habe ich mich bis jetzt bedeckt gehalten. Es gibt natürlich auf YouTube Clips, die irgendwelche Leute hochgeladen haben, z.B. Auszüge aus unseren Platten. Das ärgert mich schon ein wenig, aber andererseits sage ich mir: Wenn die Leute Bock darauf haben - es sind ja schließlich Fans von uns - na, dann sollen sie es halt machen. Ansonsten gibt es als Informationsquelle die Homepage von Ohrwaschl (www.ohrwaschl.de) und unsere eigene Homepage www.fantasyy-factoryy.com

Harald G.: Ich denke mal, dass Ihr in Eurer Bandgeschichte schon sehr häufig auf der Bühne zu sehen und zu hören wart. Gibt es in Eurer Bühnengeschichte Highlights, an die Ihr Euch gerne zurück erinnert? 

Alan Tepper: Da gibt es mehrere. Was mir immer gut in meiner Erinnerung bleibt, sind gemeinsame Auftritte mit der Band „Man“ aus Wales, die wir 1995/1996 und dann nochmal 1998 gemacht haben. Wir haben drei- oder viermal als Vorband von Man gespielt, und das hat wahnsinnig Spaß gemacht, weil es so liebenswerte Menschen waren. Also Man war die Hippie-Band für mich, die wirklich Hippies waren. Ich habe schon oft erlebt, dass viele, die im Grunde genommen in der Freak-Szene unterwegs waren oder sich als Hippies dargestellt haben, sich vollkommen anders verhielten. Wenn man die näher kennen lernte, erlebte man, dass sie sich wie Konkurrenten verhielten, aber Man waren so kollegiale, so witzige und herzliche Menschen - also es war ganz, ganz großartig. Bei unserem ersten Konzert hatten wir unser Equipment mitgebracht, und da meinten die von Man: „Hey Leute, das braucht Ihr gar nicht zu schleppen. Nutzt doch unsere Sachen hier“. So etwas wäre einfach bei anderen Bands nie vorgekommen. Damals war das noch die sehr gute Besetzung von Man mit John Weathers am Schlagzeug. Mickey Jones lebte damals noch. Er ist leider am 10.03.2010 tragischerweise an einem Gehirn-Tumor gestorben ist. Und Deke Leonard war auch noch dabei, den es später gesundheitlich sehr einschränkte, und darum können DIE Man ja heute nicht mehr so spielen. Aber das waren auf jeden Fall die Highlights. Ich freue ich mich schon auf das Psychedelic Space Rock Festival: Ich habe die Leute von Jane bereits kennen gelernt, auch sehr, sehr kollegiale und nette Menschen, und das beeinflusst das Klima eines Festivals maßgebend. Ich freue mich sehr darauf, mit ihnen in Geseke spielen zu dürfen.   

Harald G.: Und was habt Ihr außer dem Psychedelic Space Rock Festival in naher oder mittlerer Zukunft an Auftritten geplant? 

Alan Tepper: Da steht jetzt noch nichts Konkretes an, und wir werden überlegen, was wir so machen. Wir haben erst einmal mit der oben erwähnten Doppel-CD und der Vinyl-Single zu tun. Das Problem ist ja auch immer, die musikalische Tätigkeit in Einklang mit unserem Tagesjob zu bringen. Und wenn bei mir z.B. mal wieder eine längere Übersetzung ansteht, dann wird es zeitlich sehr schwierig. Deswegen haben wir jetzt noch nichts geplant, wir sind aber offen. Was mich auch besonders freut: Ich übersetze gerade ein sehr, sehr schönes Buch über Jimi Hendrix übersetzen. Das Buch wird genannt: „Der ultimative Jimi Hendrix Guide“. Der amerikanischer Autor Gary J. Jucha hat neben bekannten Fakten alles gesammelt, was man eigentlich von Jimi Hendrix nicht so weiß. Und das wird auf jeden Fall eine schöne Tätigkeit. Aber ich hoffe, dass wir im nächsten Jahr auf einigen anderen Festivals zu sehen sein werden. 

Harald G.: Meine für heute vorletzte Frage bezieht sich auf das Thema „Radio-Aktivitäten“. Seid Ihr schon mal  im Internet-Radio oder auch im herkömmlichen Rundfunk zu hören gewesen? 

Alan Tepper: Wir haben eine ganz spezielle Session gemacht, und die fand ich total witzig: Eine Radiosendung in Heemskerk in den Niederlanden. Das war ein ganz uriger DJ, der es wirklich geschafft hat, alle möglichen Leute dort hinzubringen, weil er auch sehr enthusiastisch agierte. Und dort spielten wir eine sehr schöne Radio-Session, und es war ein sehr netter Abend. Dann habe ich zu verschiedenen Anlässen in regionalen Radiosendungen mal Interwievs gegeben. Ansonsten lief auch in österreichischen Radiosendern sehr viel. Vor 2 Jahren liefen auch mal ein paar Songs auf dem Deutschlandfunk Kultur, aber sonst sind wir größtenteils immer in Italien und in Griechenland zu hören... Ich hatte irgendwann sogar mal GEMA-Geld bekommen für einen Rundfunk-Einsatz aus Südafrika, was ich dann natürlich ganz, ganz merkwürdig fand... ja, und aus Israel. Also beim Radio in Deutschand, da gibt es immer noch etwas Nachholbedarf. 

Und natürlich läuft unsere Musik auch bei den Underground-ÄxpÄrten auf Radio Sunrise, wo Du ja auch mit Deinen Sendungen vertreten bist. Ich finde das eine großartige Sache, dass sich so freakige Leute zusammentun und so ein Ding hochgezogen haben und damit ein Forum für viele Bands schaffen, die sonst nie in einem Internet-Radio gespielt würden. Es gibt noch den Krautrocksender krautrock-world.com, aber sonst wird es wirklich schwierig, Möglichkeiten über interessante Internet-Radiosender zu finden. Insofern finde ich es großartig, dass die Underground-ÄxpÄrten eine Plattform geschaffen haben, wo unterschiedlichste Bands ihre Sachen vorstellen können. Ich finde es lobenswert, wenn Leute so weit gehen, dass sie ihre Freitzeit opfern und sich so engagieren. Dasselbe gilt natürlich auch für den Hippiesland-Partnersender plattenkeller-radio,  wo unsere Songs jetzt auch in verschiedensten Sendungen mehrmals in der Woche zu hören sind. Es besteht ja immer ein Wechselspiel zwischen Musik und den Medien - und wenn ein gesundes Wechselspiel entsteht, hat man eigentlich am meisten davon und kann sich auch am meisten inspirieren lassen.

Harald G.: Wie sehen Eure weiteren Zukunftspläne aus, insbesondere auch in Bezug auf weitere Album-Veröffentlichungen? 

Alan Tepper: Was ansteht: Ich habe ja im letzten Jahr Marine Babakyan kennen gelernt, eine Violinistin, die in Brüssel studiert und die eine ganz hervorragende Musikerin ist. Es besteht die Planung in so weit, dass wir einen Nachfolger von dem Konzeptalbum „Paintings From Inner Space“ mit Helmut Wenske einspielen wollen. Wie gesagt, ich habe noch die Rechte für vier Cover-Motive, und Marine wird auch noch Streicher mit zu den Sessions bringen. Wir wollen damit den Focus auf psychedelische Musik gepaart mit Streichern legen. Das wäre das nächste größere Projekt, das ansteht. Wir werden wieder versuchen, das, was die Bilder von Helmut Wenske zum Ausdruck bringen, in Musik umzuwandeln. Es soll auch wieder so aufgemacht werden wie die „Paintings From Inner Space“, also mit Poster usw., weil ich die Motive einfach Klasse finde... und in schwerer 180g Vinyl Pressung. Es ist mir sehr wichtig, dass die Tonträger im CD-Format als Digipack erscheinen und im Vinyl-Format möglichst als Klappcover mit hübschen Beilagen. Ich möchte den Leuten einfach nicht nur einen Spaß mit der Musik bereiten, sondern auch mit dem Erscheinungsbild des Albums. Natürlich sind die Alben etwas teurer, und finanziell geht es dann zu unseren Lasten, d.h., wir bekommen dann nicht so viel Beteiligung, aber das ist egal. Die Hauptsache ist, die Leute haben ihren Spaß dabei und werden ernst genommen. Denn das ist auch so ein Ding, das im Grunde genommen durch die CD oder durch die gesamte Musikindustrie in den letzten Jahren wirklich vor die Hunde ging, dass die Käufer nicht mehr erst genommen werden und dass sie für das Geld, das sie bezahlen, keinen vernünftigen Gegenwert mehr bekommen. 

Harald G.: Im Namen unserer Redaktion und im Namen aller Leser bedanke ich mich für dieses Interview. Die letzten Worte mögen Euch gehören. Gibt es noch etwas, was Ihr unseren Lesern mitteilen möchtet? 

Alan Tepper: Haltet die Ohren nach neuer Musik auf und vielen Dank für jegliche Unterstützung. Musik kann nur im Dualismus zwischen Hörer und Musiker leben und atmen.